BYOD – Ein Blick hinter die Fassade

BYOD

Obwohl sich beim Hype um Bring-Your-Own-Device (BYOD) langsam die Ernüchterung breit macht, bleibt BYOD im mobilen Umfeld ein heiß diskutiertes Thema. Was sich genau dahinter verbirgt und welche anderen Modelle es noch gibt, wurde bereits in einem früheren Beitrag beleuchtet. Betrachtet man die Argumente der BYOD-Befürworter genauer, so wird schnell klar, dass BYOD nicht alternativlos ist. Die Hauptargumente, welche hierbei immer wieder auftauchen, sind vor allem folgende:

  • Mitarbeiterzufriedenheit
  • Kostenersparnis
  • Produktivitätssteigerung

Mitarbeiterzufriedenheit durch Verwendung des eigenen Gerätes?

Dies mag zunächst einleuchtend erscheinen, wagt man jedoch einen Blick hinter die Fassade, so wird deutlich, dass von dem Argument nicht mehr viel übrig bleibt. Der grundlegende Gedanke bei der Mitarbeiterzufriedenheit ist, dass Mitarbeiter nur noch ein Gerät mit sich führen müssen und durch die Verwendung des privaten Geräts die Zufriedenheit erhöht wird. Hier stellt sich die Frage, ob die Zufriedenheit nicht ähnlich hoch wäre, wenn der Mitarbeiter ein aktuelles Gerät von der Firma gestellt bekommt und dies ohne allzu große Einschränken auch für private Zwecke verwenden darf. Gerade bei Apple Geräten gestaltet sich dies sehr einfach, da es ausreicht, die 1-2 Topgeräte zur Auswahl zu stellen (Ansatz: CYOD). Ähnliches gilt für BlackBerry Geräte, sollten diese nicht unterstützt werden. Bei Android und Windows Phone ist die Bandbreite an verschiedenen Geräten und Herstellern höher, aber auch hier lassen sich durch die Unterstützung einiger Top Geräte (Samsung Galaxy, Google Nexus, HTC One,…) führender Hersteller die Anforderungen der meisten Mitarbeiter abdecken.[1]

Kostenersparnis oder Verlagerung der Kosten?

Ein weiteres Argument stellt die Kostenersparnis durch BYOD dar. Dieses Argument sorgt vor allem beim Management für offene Ohren. Soll BYOD in Deutschland die rechtlichen Kriterien erfüllen, so muss es zwingend von weiteren technischen und organisatorischen Maßnahmen unterstützt werden. Dies treibt die Kosten in die Höhe und so bleibt von der ursprünglichen Kostenreduzierung durch die private Beschaffung der Geräte, oft nur wenig übrig. Zusätzlich ist es meist erforderlich, neben einem BYOD-Modell auch noch andere Vorgehensmodelle zu unterstützten. Denn wie gehe ich mit Mitarbeitern um, die kein mobiles Endgerät oder nur ein sehr exotisches besitzen? Entweder müssen möglichst alle Geräte für BYOD zugelassen werden, was die Fragmentierung enorm vergrößert, oder es muss solchen Mitarbeitern die Verwendung eines vom Unternehmen beschafften Gerätes schmackhaft gemacht werden.[1] Da es sich nach Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) um eine Auslagerung der Daten an Privatperson handelt, müssen auf dem Gerät oft weitere Vorkehrungen getroffen werden. Neben der Trennung von privaten und geschäftliche Daten ist auch eine Absicherung personenbezogener Daten zwingend erforderlich. Im Einzelfall muss aber genauer betrachtet werden, welche Unternehmensdaten auf dem Endgerät verarbeitet werden sollen und welche Schutzmaßnahmen dies erforderlich macht. Diese Maßnahmen stellen unumgänglich einen weiteren Kostenfaktor dar, welcher zunächst gern übersehen wird.[2]

Gesteigerte Produktivität durch gewohnte Umgebung?

Das dritte Argument im Bunde stellt die Produktivitätssteigerung dar. Hier wird angeführt, dass sich durch die Verwendung eines privaten Endgeräts und somit einer gewohnten Umgebung, die Produktivität des Mitarbeiters erhöht. Was allerdings oft nicht bedacht oder sogar verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass die Produktivitätssteigerung hauptsächlich durch die Verwendung von bestimmten Apps bedingt ist. Die Verwendung diverser Consumer-Apps ist jedoch im Unternehmenskontext höchst umstritten oder sogar grundsätzlich nicht rechtens. Ein Beispiel stellt die Auslagerung von Unternehmensdaten auf Cloud-Dienste wie beispielsweise Dropbox dar. Diese stellt ein Problem für den Datenschutz, besonders wenn personenbezogenen Daten verarbeitet werden [3]. Des Weiteren muss sich das Unternehmen auch im Klaren darüber sein, dass viele Apps zunächst nur für die private Verwendung lizenziert sind. Eine Verwendung für geschäftliche Zwecke muss also gegebenenfalls zusätzlich lizenziert werden. Hier sind die Unternehmen nach dem Urheberrechtsgesetz (UrhG) in der Pflicht dies zu gewährleisten. Sollte ein Mitarbeiter nicht lizenzierte Software für betriebliche Aufgaben verwenden, so kann das Unternehmen nach § 99 UrhG belangt werden, auch wenn es sich dabei um ein privates Endgerät handelt. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für die umgekehrte Richtung. Wird eine Business-App auch privat verwendet, so muss auch in diesem Fall beachtet werden, dass eine entsprechende Lizenz vorhanden ist [2]. Ein bekanntes Beispiel stellt hier die Verwendung von Microsoft Office365 dar. Es gibt unterschiedliche Lizenzmodelle für eine private oder geschäftliche Nutzung, was aber vielen Anwendern oft nicht bewusst ist. Wird eine privat erworbene Office365 Lizenz für Geschäftszwecke eingesetzt, so ist die Lizenz hierfür nicht ausreichend.[4] Bei der für die private Verwendung, kostenlosen Version von Microsoft Office Mobile, ist der Fall ähnlich gelagert.

BYOD – wie geht es weiter?

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Anforderungen, die sich aus dem Bundesdatenschutzgesetz und weiteren Gesetzen ergeben, gerade im mobilen Kontext eine zentrale Herausforderung darstellen. In keinem anderen Bereich vermischen sich Berufs- und Privatleben so stark miteinander. Die Verwendung von BYOD wirft daher auch viele rechtliche Fragen auf, welche es zu adressieren gilt. Bisher gibt es in Deutschland noch kein rechtskräftiges Urteil zum Thema BYOD und so beruhen alle bisherigen Einschätzungen auf Interpretationen der jeweiligen Gesetze durch Rechtsexperten. Spannend wird es also, sobald dieser gefährliche Grenzgang zum ersten Mal vor einem Gericht ausgefochten wird. Bis dahin sollte man sich genau überlegen, ob ein BYOD-Modell wirklich passend ist, mit welcher Strategie es umgesetzt wird und wie die eigenen Mitarbeiter dazu stehen.

Quellen:
[1] OpenSignal: Android Fragmentation Visualized
[2] Slideshare: Die rechtlichen Rahmenbedingungen von BYOD
[3] eRecht24: Rechtssicher in der Cloud: Ihre Daten bei Dropbox, iCloud, Google Drive & Co
[4] MaschinenMarkt: 80 % aller Angestellten nutzen bei der Arbeit ungenehmigte Apps

2 Gedanken zu „BYOD – Ein Blick hinter die Fassade

  1. Peter Meuser

    Ob nun private Geräte auch für eine geschäftliche Nutzung bereitgestellt werden (BYOD), oder auf geschäftlichen Geräten auch eine private Nutzung (COPE) gefördert wird, unterscheidet sich im Ergebnis letztlich nur in Nuancen. So kann ein Privatgerät in der Praxis kaum keiner Geräteverwaltung (MDM) unterworfen werden, was sehr wohl für ein Firmengerät durchsetzbar ist. Entscheidend für beide Szenarien ist eine effektive Trennung zwischen Geschäft und Privat auch technisch umzusetzen, um nicht einen umfangreichen Regelungsbedarf gegenüber dem Arbeitnehmer (oder auch einem externen Auftragnehmer) zu schaffen.
    Es gibt zur Umsetzung mittlerweile diverse praktikable Produkte am Markt. Es wird Zeit nicht immer nur schwarzmalerisch ominöse Problemzonen an die Wand zu malen, sondern über konkrete Lösungswege zu sprechen, denn die Anforderungen dazu sind in der „Post-BlackBerry-Ära“ gegeben.

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