Enterprise Mobility Beginner’s Guide – Part 1: Enterprise Mobility und die mobile Strategie

Enterprise Mobility Beginners Guide - Enterprise Mobility und die mobile Strategie

Part 1 : Enterprise Mobility und die mobile Strategie

„Dafür gibt es eine App“ – dieser Satz fällt von Tag zu Tag häufiger. Im täglichen Gebrauch werden mobile Endgeräte und Apps stetig beliebter. Doch nicht nur privat greifen Nutzer auf ihre mobilen Begleiter zurück, auch im betrieblichen Einsatz nehmen Tablets und Smartphones eine immer wichtiger werdende Rolle ein. Enterprise Mobility ist nicht nur ein Trend, sondern der Bestandteil einer zeitgemäßen Unternehmensstrategie.

Wir haben uns mit diesem Guide das Ziel gesetzt, den Begriff Enterprise Mobility weiter zu verbreiten und jedem Interessierten – egal mit welchem Vorwissen – das Thema verständlich näher zu zubringen. Es sollen grundlegende Begriffe und Konzepte erklärt werden, um dem Leser einen ganzheitlichen Überblick zu bieten und ein besseres Gefühl dafür entwickeln zu können, warum eine mobile Ausrichtung sinnvoll ist und welche Herausforderungen dabei bewältigt werden müssen.

Willkommen zum „Enterprise Mobility Beginner’s Guide“.

„Enterprise Mobility? Noch nie gehört…“

Im privaten Umfeld ist das Wort „Mobility“ jedem gebräuchlich. Sprechen wir von „Mobility“ mit Bezug auf die mobile IT, werden hiermit meist Anwendungen oder Services (gewöhnlich in Form von Apps) beschrieben, welche mobil auf dem Smartphone oder Tablet zugänglich sind: die Speicherung privater Daten bei einem Cloud-Anbieter der Wahl, das Reservieren von Kino-Karten oder der Einkauf über eine Shopping-App. Das abrufbare Leistungsspektrum von mobilen Devices nimmt stetig zu, und das nicht nur in unserem Privatleben.

Immer öfter bieten Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, mobile Endgeräte im Unternehmen einsetzen zu können. Ein Teil von Enterprise Mobility beschäftigt sich damit, Aufgaben, welche bisher am Arbeitsplatz erledigt werden mussten, nun auch auf dem mobilen Endgerät bearbeiten zu können. Ob es sich hierbei um unternehmensinterne Apps (Enterprise Apps), den Zugriff auf wichtige Unternehmensdaten oder das Empfangen von Firmen-Emails handelt – all dies umfasst Enterprise Mobility. Hierdurch lassen sich einerseits bereits bestehende Daten, Anwendungen und Services überall und jederzeit mobil zugreifbar gestalten, aber es erschließen sich auch neue Anwendungsgebiete, beispielsweise durch Geolokalisierungen (Ortungen), Kameranutzung oder die Kombination von mehreren Anwendungen in einer einzigen App (Terminkalender, Messaging, Emails, Kundendatenabruf…).

Stellen wir uns ein großes Versicherungsunternehmen vor. In ihrem Kundenmanagementsystem sind alle wichtigen Kundendaten inklusive relevanter Dokumente hinterlegt. Die Daten werden auf einem SAP System gespeichert. Das Unternehmen entscheidet sich, diese Informationen auch über eine App zur Verfügung zu stellen, um Mitarbeitern von unterwegs über ein Smartphone den Zugriff zu ermöglichen. Diese Grundidee bildet den Kern von Enterprise Mobility. Hierdurch ist es dem Unternehmen möglich, dem Mitarbeiter mehr Flexibilität zu gewährleisten. Daten sind immer up-to-date, sie können beispielsweise bei einem Kundenbesuch vor Ort bearbeitet werden und den entscheidenden Wettbewerbsvorteil liefern.

Der wesentliche Vorteil für den Nutzer ist klar: eine Erleichterung des Arbeitsalltags und eine Steigerung der Produktivität. Hierfür werden die betroffenen Prozesse und Anwendungen so gestaltet, dass der Mitarbeiter möglichst effektiv und effizient arbeiten kann. Durch den Einsatz mobiler Geräte und Technologien entfallen aufwändige und unnötige Prozessschritte. Mitarbeiter können direkt vor Ort oder unterwegs ihre Aufgaben erledigen. Diese Produktivitätssteigerung kommt folglich auch dem Unternehmen, und noch viel wichtiger, dem Kunde zugute.

Dieser so einfach anmutende Vorgang birgt hinter den Kulissen aber eine nicht unerhebliche Komplexität. Die benötigten Daten und Prozesse müssen so aufbereitet werden, dass der Nutzer die gewünschten Arbeitsschritte jederzeit und von überall aus durchführen kann. Das Unternehmen versucht hierbei diese Komplexität vor dem Arbeitnehmer oder Kunden zu verstecken und Anwendungen und Prozesse für das mobile Endgerät anzupassen. Dabei bilden oftmals inhomogene Infrastrukturen ohne Service-orientierte Architektur das Hauptproblem: die bestehenden Systemen (beispielsweise Datenbanken) können nicht ohne weiteres an einen neuen Nutzer (die mobile Anwendung) angebunden werden. Zudem ergeben sich weitere schwere Entscheidungen, die zu Themen wie Datenschutz und Sicherheit getroffen werden müssen. Enterprise Mobility umfasst die komplette Wertschöpfungskette von Daten, welche mobil zur Verfügung gestellt werden sollen und ist somit ein wichtiger Baustein der Unternehmensstrategie, um sich dem mobilen Zeitalter anpassen zu können.

Das Versicherungsunternehmen muss sich mit der IT Abteilung eine Strategie überlegen, wie die gewünschten Daten des SAP Systems nun auf das mobile Device gelangen. Hierzu ist es oftmals notwendig eine sogenannte „Middleware“ zu installieren, welche die Daten so aufbereitet, dass diese in der App verwendet werden können. Außerdem muss das Unternehmen für einen adäquaten Sicherheitsstandard sorgen, indem sie den Weg der sensiblen Unternehmensdaten schützen, damit diese nicht von Dritten abgefangen werden können.

Der Begriff „Enterprise Mobility“ behandelt allerdings nicht nur das Arbeiten mit dem mobilen Device, sondern beschäftigt sich auch mit der Verwaltung von mobilen Endgeräten im Unternehmensumfeld. Auf diesen wird täglich mit sensiblen Unternehmensdaten gearbeitet, welche teilweise sehr strenger Geheimhaltung bedürfen. Das Unternehmen muss sich sicher sein können, dass diese Daten ausreichend geschützt sind, erst dann kann der Einsatz von Mobilgeräten am Arbeitsplatz gewährt werden. Hierzu wurden Verwaltungssysteme entwickelt, welchen Unternehmen die Möglichkeit bieten, die darin registrierten Devices kontrollieren zu können, solange diese eine aktive Internetverbindung besitzen. Zusätzlich bieten Verschlüsselung und strikte Authentifizierung den notwendigen Schutz der Geräte.

Schauen wir uns ein weiteres Mal das Versicherungsunternehmen an. Falls Mitarbeiter die App über ihr privates oder betriebliches Mobilgerät abrufen, müssen bestimmte Sicherheitsrisiken abgedeckt sein: Was passiert beispielsweise, wenn der Mitarbeiter das Gerät verliert? Gibt es eine Möglichkeit die Daten zu löschen, egal wo sich das Gerät momentan befindet, damit kein Außenstehender Zugang zu sensiblen Unternehmensdaten bekommen kann? Wir brauchen also eine Möglichkeit, die betrieblich verwendeten mobilen Endgeräte über ein Interface zentralisiert verwalten zu können (Fernsperrung des Devices, Auferlegen einer Passwortpflicht, Verbot der Verwendung spezifischer Apps…) und so eine adäquate Sicherheit der Unternehmensdaten gewährleisten zu können.

Ein weiterer Begriff der in diesem Zusammenhang häufig fällt ist das „Enterprise Mobility Management (EMM)“. Es beschreibt die Koordination und das Zusammenspiel der mobil bereitgestellten Anwendungen und Services, um den Nutzern die Verwendung von mobilen Endgeräten bereitstellen zu können.

In den folgenden Beiträgen der Blog-Reihe werden wichtige Bausteine des Themas Enterprise Mobility näher gebracht: das Mobile Device Management zur Verwaltung von Endgeräten, der Enterprise App Store zur Verwaltung von Apps oder auch die Mobile Enterprise Application Platform zur Entwicklung von mobilen Anwendungen (Apps) und Services.

Beschäftigen wir uns allerdings erst einmal mit einem weiteren, essentiellen Begriff.

„Mobile Strategie – Mehr als eine App“

Wann sprechen wir von einer mobilen Strategie? Nun, der Begriff ist sehr umfangreich. Eine mobile Strategie beinhaltet alle Aspekte, welche für die Umsetzung von Enterprise Mobility notwendig sind. Die mobile Strategie beinhaltet allerdings weit mehr als nur eine App. Über die mobile Strategie wird das mobile Leitbild eines Unternehmens definiert, welches die Grundlage für alle Aktivitäten rund um Enterprise Mobility bildet. Durch die mobile Strategie wird sichergestellt, dass entwickelte Apps und ausgerollte Geräte konform zu den Vorgaben und strategischen Zielen des Unternehmens sind. Dabei sollte stets die Frage im Hinterkopf behalten werden, warum das Unternehmen die Mobilisierung von Prozessen anstrebt. Hiermit sind nicht Vorteile wie Produktivitätssteigerung oder eine bessere Kundenbindung gemeint, sondern die Überzeugung, dass das Anfechten des Status Quo der Arbeitsweise und der Übergang in das mobile Zeitalter das Unternehmen nachhaltig wachsen lassen.

Typische Aspekte und Fragen einer mobilen Strategie sind:

  • Welche Unternehmens-Bereiche und Abteilungen werden betrachtet?
  • Welche Prozesse sollen und können mobilisiert werden?
  • Wie werden mobile Lösungen umgesetzt? Welche Prozesse werden dazu etabliert?
  • Wer entwickelt die App? Das Unternehmen selber oder eine externe Agentur?
  • Welche Geräte und Plattformen werden im Unternehmen unterstützt? Sind private Geräte erlaubt?
  • Welche App-Architektur soll genutzt werden?
  • Welche Plattformen und Produkte werden genutzt?
  • Welche Richtlinien werden für die Entwicklung von Anwendungen und für die Nutzung der mobilen Endgeräte benötigt?
  • Welche Metriken nutzen wir für die Bewertung von mobilen Anwendungen?
  • Welches Budget haben wir? Welche Kosten-Nutzen-Verhältnisse setzen wir voraus? Welche Rentabilität erwarten wir?
Enterprise Mobility Circle

Die mobile Strategie thematisiert Fragen rund um die Umsetzung von Enterprise Mobility. Kunden und Lieferanten, welche ggf. auch auf die erstellten Apps zugreifen können, müssen ebenfalls in die mobile Strategie integriert werden. Die weiteren Elemente werden in Part 3-5 enthüllt.

Ist eine mobile Strategie notwendig? Ja. Um zukunftsorientiert und zielgerichtet handeln zu können, sollten Unternehmen eine mobile Strategie ausarbeiten. Die mobile Strategie legt die Ausrichtung des Unternehmens fest und bietet somit einen Schutz vor Fehlinvestitionen und dem Wildwuchs an Geräten, Anwendungen und Technologien im Unternehmen. Es ist deshalb von elementarer Notwendigkeit eine ganzheitliche mobile Strategie zu entwickeln, wenn ein Unternehmen die Umsetzung einer mobilen Lösung anstrebt.

Lessons Learned

  • Enterprise Mobility beschreibt nicht nur unternehmensinterne Apps, sondern umfasst die komplette Wertschöpfungskette von Daten und Prozessen im Unternehmen, welche mobil zugänglich gemacht werden sowie die Verwaltung der mobilen Devices.
  • Enterprise Mobility führt zu einer messbaren Produktivitätssteigerung, Mitarbeiter- sowie Kundenzufriedenheit und verstärkten Kundenbindung.
  • Eine mobile Strategie bietet die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung einer Enterprise Mobility Lösung.

Lesen Sie hier weiter: EMBG Teil 2 – Mobile Endgeräte und Betriebssysteme

 

Noch Fragen? Wir stehen gerne in den Kommentaren zur Verfügung.

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