Mobile Payment – Hype oder Vision?

Mobile Payment

Mobilen Bezahlverfahren werden seit Jahren bereits der Durchbruch vorhergesagt, passiert ist aber bis heute nur wenig. Obwohl es weder an den technologischen Mitteln noch an Anbietern mobiler Verfahren mangelt, hat sich bisher noch kein klarer Trend herauskristallisiert. Regelmäßig taucht das Thema dennoch in den Schlagzeilen auf, wenn wieder ein Anbieter mit einer neuen Variante versucht, den Markt aufzumischen. Auch die Gerüchteküche brodelt, wenn den „Big Player“ wie Google, Apple, Amazon und Co. wieder geheime Pläne und der kommende Durchbruch vorhergesagt wird. Doch was ist dran an der schönen neuen Welt des mobilen Bezahlens?

 

Technologien und Verfahren

Aktuell sind grundsätzlich vier unterschiedliche Technologien des Mobile Payment im Einsatz oder in der Planung, die jeweils in den verschiedensten Varianten genutzt werden:

QR-Code

Mobile Payment: QR-CodeBezahlverfahren über QR-Codes (QR = Quick Response) sind auch schon seit einigen Jahren geläufig und nehmen weiter zu. Dabei wird der QR-Code als Daten-Schnittstelle zwischen Kassensystem und Smartphone genutzt: eine Seite generiert einen QR-Code mit den Informationen zur Transaktion, die Gegenseite scannt diesen ein und verarbeitet ihn. Die Kapazität der Schnittstelle ist dabei begrenzt, maximal lassen sich knapp 3 Kilobyte an Daten über einen einzelnen QR-Code übertragen, durch die Störquellen (Licht, Spiegelungen, etc.) und den oftmals schlechten Displays an Kassensystemen liegt der realistische Wert aber deutlich darunter. In jedem Fall ist die Schnittstelle unidirektional, es erfolgt also nur eine Kommunikation in eine Richtung. QR-Codes sind verhältnissmäßig einfach umzusetzen und können mit jedem Smartphone mit integrierter Kamera verarbeitet werden.

Near Field Communication

Mobile Payment: NFCDie drahtlose Funktechnologie NFC (Near Field Communication) wurde zwar bereits 2002 standardisiert, ist aber erst seit etwa 2010 auch in Smartphones im Einsatz. Über NFC kann ein Sender mit einem Empfänger über Entfernungen von bis zu 10 Zentimeter bidirektional kommunizieren. Der Sender kann dabei aktiv oder passiv sein, der passive NFC-Sender ist dabei sehr ähnlich zu einem RFID-Chip. Über NFC realisierte Bezahlverfahren identifizieren häufig den Kunden über den NFC-Chip bzw. dessen ID und wickeln die Bezahlung mit dieser Information mit dem Transaktionsserver ab. Aber auch umgekehrte Verfahren sind im Einsatz, bei dem das Smartphone den aktiven Part übernimmt und die Transaktion mit dem Transaktionsserver steuert. NFC wird aktuell von vielen Android-Smartphone unterstützt, nicht jedoch durch Apples iPhone.

Bluetooth Low Energy

Mobile Payment: BLEDie neueste der Technologien ist BLE (Bluetooth Low Energy), auch bekannt geworden durch das Schlagwort Beacon bzw. iBeacon. Dabei bilden Beacons nur eine sehr einfache Form eines BLE-Senders, der in regelmäßigen Intervallen ein konstantes Signal mit einem statischen Informationsgehalt aussendet. BLE-fähige Endgeräte können dieses Signal erfassen und zusätzlich die Entfernung zum Sender ermitteln. BLE als Technologie geht aber deutlich weiter, hier ist auch ein bidirektionaler Datenaustausch möglich, analog dem bekannten Bluetooth, nur mit neueren und effizienteren Verfahren. So kann etwa das umständliche „Pairing“ von Geräten entfallen, weiterhin ist der Stromverbrauch im Endgerät deutlich reduziert. BLE ist für das Mobile Payment interessant, da hier die Beacon-Technologie mit einer effizienten Datenschnittstelle kombiniert werden kann. BLE wird mittlerweile in allen neueren Smartphones unterstützt.

Vorreiter im Mobile Payment

Es gibt bereits einige verbreitete Anbieter von Mobile Payment, von denen wir drei an dieser Stelle kurz vorstellen wollen. Viele weitere Anbieter arbeiten oftmals mit ähnlichen Verfahren.

Edeka/Netto – Valuephone

Bereits seit Mitte letzten Jahres kann man bei einigen ausgewählten Edeka-Märkten[1] (aktuell etwa 150) und bei allen Netto-Filialen[2] (ca. 4000) mit dem Smartphone und der jeweiligen App von Edeka bzw. Netto bezahlen. Umgesetzt wurde das System über die Mobile Payment Plattform des Berliner Unternehmens Valuephone[3].

Zur Nutzung des mobilen Zahlungsvorgangs muss der Nutzer die App installieren und sich bei Edeka/Netto registrieren. Dabei wird ein PIN vergeben, der jeden Bezahlvorgang über das Smartphone autorisiert. Die Zahlung selbst wird durch den Nutzer an der Kasse initiiert, die App lokalisiert den Anwender und den aktuellen Markt und erzeugt nach Eingabe der PIN einen Einmal-QR-Code bzw. einen vierstelligen Zahlencode, der an der Kasse eingescannt oder eingegeben wird. Der Code ist 5 Minuten gültig, damit ist er vor erneutem Einlösen oder Kopieren geschützt.

Technisch muss sowohl das Smartphone als auch das Kassensystem mit dem Internet und den Transaktionsservern verbunden sein, über sie läuft die Autorisierung der Transaktion. Das ist damit auch eine der Schwachstellen des Systems – in vielen Supermärkten ist bedingt durch deren Lage und Bauart kein Mobilfunknetz verfügbar. Zudem muss bei diesem System der Benutzer viele manuelle Schritte zur Durchführung der Transaktion durchlaufen: Entsperren des Smartphones, Starten der App, Auswählen des Bezahlvorgangs, Eingabe der PIN und Bereitstellen zum Einscannen.

REWE – Yapital

Auch REWE[4] bietet seit 2013 ein mobiles Bezahlverfahren an, dieses wird über den Dienstleister Yapital[5] abgewickelt. Anders als bei Edeka und Netto wird hier die Bezahlung direkt über die App von Yapital abgewickelt, REWE bindet also nur die Schnittstelle an den Kassensystemen an. Die Yaptial App kann somit auch an anderen Akzeptanzstellen genutzt werden.

Um bei REWE mit der App bezahlen zu können muss der Nutzer die Yapital App auf seinem Smartphone installieren und das damit erstellte Konto mit Guthaben aufladen (Pre-Paid). Alternativ kann man auch ein automatisches Aufladen von einem anderen Konto definieren (Post-Paid). An der Kasse wählt man dann am EC-Karten-Terminal die Bezahlform „Yapital“ aus, worauf hin das Terminal einen QR-Code anzeigt, der mit der Yapital App gescannt wird. Auf dem Smartphone wird dann die zu zahlende Transaktion angezeigt, die man mit seinem PIN-Code bestätigen muss. Anschließend quittiert der Server der Kasse den Bezahlvorgang, analog der EC-Kartenzahlung.

Wie auch bei der Lösung von Edeka ist bei Yapital eine Internetverbindung erforderlich, was auch hier zu Problemen führen kann. Das Einscannen des Barcodes ist aufgrund der bescheidenen Auflösung und Kontrast mancher Kartenterminals auch nicht immer problemlos möglich. Weiterhin besteht auch hier der Nachteil, dass der Kunde viele Schritte auf seinem Smartphone zur Durchführung der Transaktion durchführen muss.

PayPal Beacon

Zwar noch nicht im produktiven Einsatz, aber bereits angekündigt ist das mobile Bezahlsystem von PayPal. Das PayPal Beacon[6] genannte System basiert auf BLE und setzt sich damit von den bestehenden Anbietern technologisch ab. PayPal versucht mit den Beacons die Usability-Problematik der bestehenden Lösungen mit QR-Codes oder NFC zu umgehen, indem es ohne Interaktion des Nutzers mit dem Smartphone selber auskommt. Über BLE und die Beacon-Technologie kommuniziert das Kassensystem selbstständig mit dem Smartphone und handelt die Transaktion aus.

Zur Nutzung von PayPal Beacon muss der Anwender auf dem Smartphone die PayPal App installieren und ein entsprechendes PayPal Konto einrichten. Betritt der Kunde ein Geschäft mit PayPal Beacon, so reagiert das Smartphone auf das empfangene Beacon-Signal und meldet dem Benutzer die Bezahlmöglichkeit und bittet um Freigabe. Damit kann das Smartphone mit der Kasse kommunizieren und übermittelt so die Daten des Kunden wie etwa Name und Passfoto an das Kassensystem. Zur Bezahlung muss der Kunde dann nur an der Kasse erscheinen, der Kassierer wählt aus den Fotos das des Kunden aus und bucht auf seinem PayPal-Konto den entsprechenden Betrag ab.

Der Vorteil dieses Systems ist vermutlich gleichzeitig sein größter Nachteil: durch die fehlende Interaktion und Autorisierung der Transaktion ist das Mißbrauchspotential sehr groß, gleichzeitig die rechtliche Anfechtbarkeit einer solchen Transaktion unklar. Zudem ist das Thema Datenschutz in diesem Szenario kritisch zu betrachten, die App übermittelt hier sensible Daten an ein beliebiges Kassensystem, hier muss sichergestellt werden dass die Daten auch geschützt bleiben.

Erfolgsfaktoren für das Mobile Payment

Einer der Hauptgründe für den ausbleibenden Erfolg von mobilen Bezahlverfahren in Deutschland ist der fehlende Anreiz für den Kunden. Zum einen ist Deutschland weiterhin ein Land der Barzahlung – knapp 55 % der Einkäufe werden in Bar beglichen[7]. Daneben gibt es mit der EC-Karte eine sehr einfache und sichere Zahlungsmethode, welche nahezu überall angeboten wird. Somit muss ein neues Bezahlverfahren in mindestens einem Punkt diesen bewährten Bezahlverfahren voraus sein. Bisher war insbesondere die Usability von Mobile Payment Lösungen eher durchwachsen: für den Bezahlvorgang sind deutlich mehr Schritte und Aktionen am Smartphone erforderlich, als es mit der EC-Karte der Fall ist. Das zweite Kernproblem ist die Verbreitung der Systeme: aktuell sind dies primär Insellösungen, bei der jedes Unternehmen sein eigenes System anbietet. Damit muss der Kunde für jeden Einkauf die passende App dabei haben, evtl. mehrere virtuelle Konten verwalten und hat im Zweifelsfall dann keine Internetverbindung am Bezahlterminal.

Somit lassen sich folgende Faktoren für den Erfolg von Mobile Payment Lösungen ausmachen:

1. Usability

Die Usability von Mobile Payment Apps und dem Bezahlvorgang an sich muss mindestens gleichwertig zu den bestehenden Bezahlverfahren werden. Gerade an der Lebensmittel-Kasse ist jede Sekunde wertvoll und bedeutet für das Unternehmen echte Kosten. Der Bezahlvorgang muss also sowohl schnell von statten gehen, für den Benutzer unkompliziert zu tätigen sein  und gleichzeitig das gleiche Sicherheitsniveau wie EC-Karten aufweisen. Die Lösung von PayPal bietet zwar diesen Usability-Vorteil, gleichzeitig müssen hier aber die Bedenken bezüglich Sicherheit und Datenschutz zunächst geklärt werden.

2. Akzeptanz

Erst wenn sich eine zumindest halbwegs durchgängige Akzeptanz eines Bezahlsystems einstellt, werden Kunden diese Option in Betracht ziehen. Das bedeutet, dass Unternehmen im Handel von ihren individuellen Lösungen wegkommen müssen und sich auf einen Standard einigen. Insbesondere die vielen kleineren Insellösungen mit eigenen Guthaben-Konten werden langfristig nicht überleben.

3. Kosten

Die meisten Anbieter von Mobile Payment Lösungen verlangen Gebühren für die Nutzung des Systems von bis zu 3% des Umsatzes. Diese gehen in vielen Fällen über die Gebühren von Kreditkarten- und EC-Karten-Zahlungen hinaus. Für Unternehmen bedeutet dies eine Mehrbelastung, die sich refinanzieren lassen muss. Dies kann in Form von erhöhten Umsätzen sein, oder auch durch erhöhte Kundenzufriedenheit. Beides muss sich aber erst in absehbarer Zeit einstellen, bevor Unternehmen in der Breite solch ein Bezahlverfahren anbieten werden.

Und was macht Apple?

Gerüchten zufolge plant auch Apple die Einführung eines mobilen Bezahlsystems. Die Voraussetzungen dafür könnten nicht besser sein: einen breiten Kundenstamm über iTunes, sowie eine starke Verbreitung von iPhones und iPads, dazu kommt die Einführung der iBeacons vor einiger Zeit. Es ist also zu erwarten, dass Apple dieses Marktsegment nicht außer acht lässt. Gleichzeitig wird Apple wohl nicht sein Geschäftsmodell auf das einer Bank ausweiten, somit wird auch Apple nicht ohne einen Partner dieses Feld betreten.

Aber auch die anderen Technologie-Größen könnten im Mobile Payment mitspielen wollen: allen voran Amazon, das bereits einen beachtlichen Kundenstamm besitzt. Auch Google zeigt weiter Interesse, auch wenn Google Walletseit Jahren eher ein Nischendasein pflegt. Beiden ist zuzutrauen, hier in den nächsten Monaten eine entsprechende Lösung vorzustellen.

Bleibt zuletzt die Frage, welche Technologie sich durchsetzen wird. Lange Zeit war NFC die bevorzugte Lösung für mobile Bezahlverfahren, doch durch die stetige Weigerung von Apple, diese Technologie in seine iPhones zu integrieren, hat sich BLE als ernsthafte Alternative herausgebildet. Mit einer breiten Unterstützung bei neueren Smartphones scheitert es zumindest nicht an dieser Hürde. Doch BLE bietet durch die hohe Reichweite auch genauso viele Risiken was Sicherheit und Datenschutz betrifft. Somit könnte dies letztendlich doch zu einem Siegeszug von NFC und einer baldigen Unterstützung im neuen iPhone 6 werden.

Quellen:
[1] Edeka Mobile Payment
[2] Netto Mobile Payment
[3] Valuephone
[4] REWE
[5] Yapital
[6] PayPal Beacon
[7] HDE: Anteil der Zahlungsarten am Umsatz 2013

Ein Gedanke zu „Mobile Payment – Hype oder Vision?

  1. Thomas

    Die Anzahl an Angeboten für mobile Payment steigt ja doch immer weiter an, aber als Nutzer stellt man sich schon die Frage, ob und inwieweit die Sicherheit der eigenen Daten hier gewährleistet werden kann. Dies wird ganz sicher einige Nutzer davon abhalten, darauf zurückzugreifen und somit können sich auf Dauer die Anbieter nicht alle durchsetzen. Es bleibt also tatsächlich abzuwarten, wie sich das ganze mit der Zeit noch entwickeln wird.

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